Montag, 8. Juli 2013

Shut up and take my money!

Stellt euch vor, es ein ganz normaler Samstag im Juli. Ihr habt frei, weil ist ja Wochenende, steht irgendwann am späten Vormittag auf, macht euch gemütlich einen Kaffee und schaltet den PC ein. 

Ohne einen bestimmten Grund zu haben, startete ich seit langer, langer (wirklich sehr langer) Zeit mein ICQ und ließ es halt an. Der Tag glitt so ziemlich ereignislos dahin, bis am Nachmittag plötzlich eine Nachricht aufpoppte

“Hallo. Ich habe ein etwas seltsames Hobby und möchte Sie um einen Gefallen bitten. Wenn ich sie aber lieber in Ruhe lassen soll mache ich das natürlich.”

Hm? Was ist das denn für ein Vogel? Ich hatte das “Verpiss dich und lass mich in Ruhe, Idiot” in meiner bekannt liebenswürdigen Art bereits getippt, doch bevor ich es abschickte, löschte ich es doch und ersetzte es durch ein

“Beinhaltet dieses Hobby, dass du nackt bist?”

“Nein.”
“Na dann schieß mal los”

Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass es sich bei dem Fremden um einen Geldsklaven handelte.

Ich hatte schon einige davon gehört, aber im Leben nicht erwartet, dass die sich einfach so bei zufälligen Mädls im Internet melden.

Und vor allem hab ich ihm nicht geglaubt und mir eher einen Spaß daraus gemacht, ihm zu befehlen, dass er mich gefälligst Fräulein Katta nennen und auf sein Vokabular achten soll.

Aber was ist eigentlich ein Geldsklave?
Dieser Herr möchte, dass ich ihn finanziell komplett ausnehme, so dass er Überstunden machen und einen Kredit aufnehmen muss.
Er erwartet dafür nichts.
Keinen Sex, keine Nacktbilder, keine Shows vor der Webcam. Ich soll einfach nur sein Geld nehmen und verprassen ohne Rücksicht darauf, wie er es ranschafft.

Das macht ihn an und er sitzt dann abends allein und ausgenommen in seiner Wohnung und “erkennt sich selbst”, um es mal biblisch auszudrücken.


Solche Herren gibt es offensichtlich jede Menge, denn sonst gäbe es nicht so viele Frauen, die ihre Geldherrschaft im Internet anbieten.


Irgendwie kann ich es immer noch nicht richtig glauben, und das werde ich auch erst, wenn ich morgen, wie von mir verlangt, die 500 Euro Tribut auf meinem Paypalkonto habe.

Aber wohin mit dem Geld?
Ich verdiene ja selbst genug um mir einen gewissen Lebensstandard zu leisten (dass das bloß mein Chef nicht liest... ) und so versessen auf Luxus bin ich ja gar nicht.
Es schreien zwar immer alle Leute “HIER!” wenn jemand meint, er will Geld los werden, aber wirklich nehmen will es dann keiner.
Einer meiner Kollegen hat heute Morgen 5 Euro abgelehnt, die ich ihm vor die Nase gehalten habe, als er meinte, er nimmt gern was.

Nicht mal meine besten Freunde wollen mein Geld nehmen. Tönen erst rum, dass sie eine Playstation 3 und einen Nintendo DS haben wollen aber machen dann doch einen Rückzieher. Verstehe einer die Leute...

Einiges von dem Geld werde ich wohl in meinen Herzensverein stecken, der sich um arme Kinder in Kambodscha kümmert. Ich könnte auch einfach einen Stapel Bücher, Hörspiele und Mal- sowie Bastelzeug kaufen und das ganze Zeug im nächsten Kinderheim abladen, Obdachlosen paar Pullis und einen Schlafsack für den Winter kaufen. Mir fallen da einige Dinge ein.

Wenn ihr Ideen habt, wie ich das Geld wirklich helfend an gemeinnützige Organisationen oder Einrichtungen los werden kann, immer her damit.


Aber erstmal abwarten, ob ich morgen den Tribut habe oder ob sich alles als Fake entpuppt.
Ob und wie es weitergeht werde ich hier berichten und alle Interessierten auf dem Laufenden halten.